Lieblingsautor:innen (III): Chimamanda Ngozi Adichie

Chimamanda Ngozi Adichie wurde 1977 in Nigeria als Tochter einer Verwaltungsangestellten und eines Universitätsprofessors geboren. 1998 zog sie für ihr Studium in die USA und wohnt seither teils in den Vereinigten Staaten, teils in Lagos.

Während ihre beiden ersten Roman – «Blauer Hibiskus» und «Die Hälfte der Sonne» – geteilte Kritiken erhielten, schaffte sie mit der Geschichtensammlung «Heimsuchungen» und dann vor allem mit ihrem dritten Roman «Americanah» den grossen Durchbruch. Die Figuren in «Heimsuchungen» bewegen sich in und und kämpfen sich durch zwei Welten: die ursprüngliche Heimat Nigeria und das neue Zuhause in den USA. Während dieser Erzählband vor allem auch zum Thema hat, wie sich die Protagonist:innen in diesem Spannungsfeld Nigeria – USA bewegen, ist «Americanah» eine brillant geschriebene Rassismuskritik. Die Kritik ist dabei nicht anklägerisch, sondern zeigt sich durch präzise Schilderungen von unscheinbaren Ereignissen in der Schulzeit, von festgefahrenen Stereotypen oder von Demütigungen im Alltag der Romanfiguren.

Der (einen) Ursache für die Verbreitung von rassistischen Stereotypen geht Adichie im sehenswerten Podcast «The danger of a single story» nach. Sie meint dort, dass gerade im Bezug auf afrikanische Länder immer wieder die klassischen Themen von Hunger und Armut, von Korruption und «Failed States» zur Sprache kommen, aber positive Geschichten kaum Beachtung fänden. Sie plädiert dafür, dass mehr Geschichten von und über afrikanische Länder und Personen veröffentlicht und gelesen werden, um so ein besseres Verständnis für andere Gesellschaften zu erhalten.

Nebst Rassismus ist Feminismus ein wichtiges Thema in den Büchern und den öffentlichen Äusserungen von Chimamanda Ngozi Adichie. Nebst starken Frauenfiguren in ihren Romanen, hat sie zwei Bücher explizit dem Feminismus gewidmet. «Liebe Ijeawele… – wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden» ist der Brief an eine Freundin, die Adichie um Ratschläge gebeten hatte, wie sie ihre Tochter feministisch erziehen soll. «We should all be feminists» ist das überarbeitete Transkript eines TedTalks, bei dem sie ganz zum Schluss eine persönliche und sehr pragmatische Definition von Feminismus gibt:

«Eine Feministin oder ein Feminist ist ein Mensch, der sagt, ja, es gibt heutzutage Problem mit Geschlechterrollen, und das müssen wir korrigieren, und wir müssen es besser machen. Wir alle, Frauen und Männer, müssen es besser machen»

2020 ist der Vater von Chimamanda Ngozi Adichie verstorben, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hatte. In ihrem neusten Buch «Trauer ist das Glück, geliebt zu haben» (was für ein schöner Titel…), reflektiert sie über den Verlust ihres Vaters und über die Trauer. Zu diesem Buch hat sie Daniel Graf von der Republik auch ein langes und unbedingt lesenswertes Interview gegeben.

Chimamanda Ngozi Adichie gelingt es regelmässig, mich mit ihren Büchern in den Bann zu ziehen. Mich fasziniert dabei vor allem, wie sie es immer wieder schafft, ernste Themen mit Leichtigkeit und Witz zu schildern, ihre Figuren bildhaft werden zu lassen und – scheinbar ganz einfach – tolle Geschichten zu erzählen. Nebst ihren Büchern sind aber auch ihre öffentlichen Auftritte sehr hörenswert und bereichernd. So beispielsweise auch ihr Auftritt an der Buchmesse Frankfurt 2018, an dem sie so wunderbar schildert, warum Literatur (für sie) wichtig ist:

«Literature does teach us. Literature does matter. I read to be consoled, I read to be moved, I read to be reminded of grace and beauty and love but also of pain and sorrow. And all of these matter—all of these are useful lessons»

Copyright Beitragsbild: Howard County Library System

eine reise des lebens – unterwegs auf dem „salzpfad“

Ich liebe Krimis! Sie sind meine bevorzugte und häufigste Lektüre. Weshalb, kann ich mir selber nicht recht erklären; vielleicht im Wissen, dass all das Schlechte und Böse ein gutes Ende findet? Nichtsdestotrotz: Auch in unserem übrigen Sortiment gibt es viele lesens- (oder hörens- und sehens)-werte Trouvaillen. Und eine solche Perle ist mir kürzlich in die Hände gekommen und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann gezogen. Das echte Leben schreibt halt doch immer wieder beeindruckende Geschichten.

Deshalb nehme ich Sie heute mit auf eine Wanderung. Das heisst, nicht nur heute, nicht nur ein paar Stunden – es handelt sich auch nicht um eine Zwei- oder Drei-Tages-Tour; nein, wir werden gleich mehrere Monate auf Schusters Rappen unterwegs sein.

Es ist dies die Geschichte, die Wanderung von Raynor und Moth Winn. Das Paar mittleren Alters verliert, praktisch von einem Tag auf den anderen, ihre Farm in Wales, und damit sowohl das über Jahrzehnte lieb gewonnene Dach über dem Kopf als auch die Existenzgrundlage; die Ersparnisse – diese sind für Anwälte und Prozesskosten verschwunden; und obendrein auch noch Moth‘ Gesundheit, in Form einer unheilbaren neuro-degenerativen Erkrankung.

Aus dieser Not heraus, mit einem Budget von 50 Euro pro Woche und entgegen den Rat seiner Ärzte („Vermeiden Sie Anstrengungen, laufen Sie keine zu weiten Strecken!“), begeben sich Ray und Moth auf den „Salzpfad“. Dieser rund 1000 Kilometer lange, wilde Wanderweg entlang der englischen Südwestküste, ursprünglich geschaffen, um Schmuggler aufzuspüren, wird während Monaten zu ihrem neuen Zuhause, ein Zelt zu ihrem Obdach, Mahlzeiten aus der Dose zu ihrem Standard-Menu. Ein Abenteuer, im Einklang mit der rauen, freien Natur, aber auch ein Ringen gegen die Gewalt der Elemente, gegen Wind und Wetter, Hunger und Moth‘ Krankheit; ein Kampf ums Überleben mit dem Allernötigsten, eine Reise an die eigenen Grenzen, aber auch zu sich selber und im Glück, einander zu haben. Erstaunlich vor allem Moth‘ körperliche Entwicklung: Je länger die beiden unterwegs sind, desto besserer Verfassung erfreut er sich. Die frische Luft, die Bewegung, die Wärme tun ihm gut (Kälte und Nässe allerdings weniger), lindern seine Schmerzen und die Symptome seiner Krankheit und strafen damit alle ärztlichen Prognosen Lügen – wenn auch nur vorübergehend.

Nicht nur die Natur, sondern auch Menschen prägen ihren Weg. Ray und Moth ernten Interesse und Wohlwollen, aber auch ungläubiges Staunen über ihr Tun („Was, eine solch anstrengende Tour in eurem Alter?!“), ja, sogar Vorurteile und offene Ablehnung für die „Landstreicher“, was sie dazu bringt, ihre Situation und Beweggründe meist gar nicht im Detail darzulegen. Sie wandern. Punkt. Auch andere, meist jüngere, Backpacker kreuzen ihren Weg. Eine dieser Begegnungen hat mich besonders nachdenklich gestimmt: jene mit der Frau, welche Ray offenherzig, in Unkenntnis von Rays Lage, erzählt, dass sie als nächstes zum Friseur müsse, um sich „den Haaransatz nachfärben zu lassen“. – Bei aller Tragik und Trauer, welche hinter Rays und Moth‘ Geschichte steckt, lebt das Buch von solchen lustigen Episoden; es beschönigt zwar nichts, wirkt dank des aufrichtigen, humorvollen Schreibstils aber nicht deprimierend, sondern im Gegenteil sehr hoffnungsvoll und ermutigend.

Rays und Moth‘ ständiger Begleiter auf der Wanderung: Paddy Dillons Reiseführer „The South West Coast Path“. Das Buch dient ihnen zugleich als Wander-Tagebuch, in welchem sie Erlebnisse, Eindrücke, Begegnungen, Freud und Leid eintragen und festhalten. Aus diesen Notizen fertigt Ray nach ihrer Rückkehr ein Buch für Moth, für die Zeit, in welcher sein krankheitsbedingter körperlicher und vor allem geistiger Zerfall seine eigenen Erinnerungen an die Wanderung trüben, oder gar auslöschen, wird. Das Buch findet den Weg in den Handel, wird international zum Bestseller – und sorgt so für ein neues Auskommen für die beiden. Aus der Not ist etwas Neues entstanden, anders, aber ebenso stimmig für sie.

Und: Die Reise geht weiter, es gibt ein Wiedersehen mit den Protagonisten – im kürzlich erschienenen Band „Wilde Stille“. Was Ray und Moth alles erleben und wie es ihnen dabei ergeht – lesen Sie selber, es lohnt sich!

Eine sehr eindrückliche Geschichte aus dem wahren Leben, ein modernes Märchen mit (leider nur teilweisem) Happy End! Eine Geschichte auch, die Mut macht, dass sich in scheinbar ausweglosen Lagen ein Türchen öffnen kann, solange man an sich selber glaubt, auf sein Bauchgefühl vertraut und manchmal auch ein wenig Glück auf seiner Seite weiss.

50 Jahre barbapapa

Wer kennt sie nicht, Familie Barbapapa, die bereits Generationen von Kindern begleitet und begeistert. Diese freundlichen und fröhlichen Wesen die sich bestens mit Menschen und Tieren verstehen.

Alles begann vor 60 Jahren mit einem Spaziergang in Paris: Der amerikanische Biologielehrer Talus Taylor und die französische Architekturstudentin Annette Tison flanierten durch den Jardin du Luxembourg. Sie beobachteten ein Kind und hörten, wie es seine Eltern nach etwas wie «Baa baa baa baa» fragte. Da Taylor kein französisch sprach, klärte Tison ihn auf: «Barbe à papa», wörtlich übersetzt Papas Bart, ist der französische Ausdruck für Zuckerwatte.

Wenig später begann das Paar in einem Restaurant auf der Tischdecke eine von Zuckerwatte inspirierte rosafarbene, runde Figur zu zeichnen. Als Namen verwendeten sie «Barbapapa». Die beiden Schöpfer der Figuren heirateten einige Zeit später und schufen Dutzende Bücher und Zeichentrickserien über die Familie Barbapapa.

In einem Garten geboren, hatten die Barbapapas einen gesellschaftlichen Idealzustand im Sinn, friedlich soll es zugehen, grün, gesund und harmonisch. So erfreut die Familie Barbapapa seit einem halben Jahrhundert Kinder auf der ganzen Welt.

Bookstar 2021

Es ist wieder so weit, die Jugendjury hat die Buchauswahl für den Bookstar 2021 nominiert!

Schau rein!

Entscheide!

Mach mit!

In der Stadtbibliothek Luzern sind alle 20 nominierten Bücher vorhanden. Von Mai bis Ende September 2021 kannst du die Bücher online auf www.bookstar.ch bewerten und nach Herzenslust kommentieren. Wenn du über 12 Jahre alt bist, dich vor dem 30. September registrierst und mindestens ein Buch bewertest, nimmst du automatisch am Wettbewerb teil. Das Buch mit der besten durchschnittlichen Sterne-Bewertung wird zum Bookstar des Jahres 2021 gekürt und mit dem goldenen Bookstar-Stempel ausgezeichnet.

Mach dein Lieblingsbuch zum BOOKSTAR 2021!

Schweizer Vorlesetag

Am 26. Mai findet zum vierten Mal der Schweizer Vorlesetag statt, der vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) initiiert wurde. Die Bedeutung der Vorlesen ist gross, wie das SIKJM auch auf seiner Website schreibt:

«Vorlesen ist ein wunderbares, gemeinschaftliches Erlebnis, das Kindern erste Begegnungen mit der Welt der Literatur ermöglicht. Regelmässiges Vorlesen unterstützt Kinder aber auch in ihrer Entwicklung. Kinder, denen täglich vorgelesen wird, verfügen über einen grösseren Wortschatz und lernen leichter lesen und schreiben als Gleichaltrige ohne Vorleseerfahrung. Sie entwickeln einen positiven Bezug zum Lesen und greifen später mit mehr Freude zu Büchern, Zeitungen oder E-Books und haben somit auch bessere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsweg.»

Auch die Stadtbibliothek Luzern und die Bibliothek Ruopigen beteiligen sich dieses Jahr wieder mit einer speziellen Aktion: die sechs Zentralschweizer Autor*innen Vera Eggermann, Anna Chudozilov, Christine Weber, Carlo Meier, Erika Frey Timillero und Niko Stoifberg haben für unterschiedliche Altersgruppen und exklusiv für den Luzerner Vorlesetag Kurzgeschichten geschrieben, die Sie sich noch bis zum 24. Mai nach Hause bestellen können und die am Vorlesetag auch in der Stadt Luzern verteilt werden. Alle Informationen auf www.bvl.ch/vorlesetag

Kreativer von Anfang an

Kreativität ist in aller Munde. Kein Wunder, sie gilt nämlich als Kernkompetenz für die Zukunft. Lapurla zeigt, wie einfach es ist, schon mit ganz kleinen Kindern kreativ unterwegs zu sein.

Lapurla setzt sich ein für eine kulturelle Teilhabe für Kinder ab Geburt. Sie unterstützt Fachpersonen mit Aus- und Weiterbildungen und setzt sich auch auf politischer Ebene ein. Lapurla befindet sich in der Pilotphase. Erfahrungen und Ergebnisse werden regelmässig dokumentiert. Zudem schafft sie Angebote für Familien mit Kleinkindern und erproben so Theorie und Praxis. Daraus entstand eine wunderbare Broschüre, wie Kreativität mit Kleinkindern ab Geburt gelebt werden kann.

Kreativ sein mit ganz kleinen Kindern heisst, zusammen neugierig sein, sich überraschen lassen, Kleinigkeiten im Alltag neu zu entdecken und zusammen Zeit zu verbringen. Die Broschüre unterstützt Eltern und Fachpersonen mit Wissen und Impulsen, die auch ohne künstlerische Ausbildung einfach im Alltag umgesetzt werden können.

Auf der Webseite ist ein kostenloser Download der Broschüre verfügbar.

Die Broschüre sowie ein schön gestaltetes Postkarten-Set können auch in gedruckter Form (auch in grösseren Mengen zum Auflegen) bestellt werden. Auch ein Stöbern auf den übrigen Rubriken der Webseite lohnt sich!

Lapurla wurde 2017 vom Migros-Kulturprozent und der Hochschule der Künste Bern HKB initiiert, um kreative Freiräume für Kinder von 0–4 Jahren zu schaffen. Lapurla befindet sich in der Pilotphase. Bereits konnte eine Vielzahl an Partnern aus den Bereichen Frühe Kindheit und Kultur gewonnen werden.

Digitaler Nachrichtentest

Wir werden mit einer riesigen Fülle von Nachrichten konfrontiert. Newsportale, Social Media oder eine Google-Suche öffnen uns ein Meer an Informationen. Aber was ist vertrauenswürdig, eine geprüfte Nachricht? Was ist Werbung, was Falschmeldung? Um das zu erkennen, braucht es bestimmte Fähigkeiten.

Die Stiftung Neue Verantwortung hat einen lohnendwerten Test entwickelt, bei dem mit 24 Fragen aus 5 Kategorien der Umgang mit digitalen Informationen geprüft wird.

Ich hab’s auf 24 von 30 Punkten geschafft – und Sie?

www.der-newstest.de

Leseförderung in der Familie

Ratgeber für Eltern zur Sprach- und Leseförderung ihrer Kinder (in 14 Sprachen erhältlich)

Kinder, die schön früh Erfahrungen mit Büchern und Geschichten sammeln können, haben in der Sprachentwicklung und beim Erlernen des Lese- und Schreibprozesses eindeutige Vorteile. Die Broschüre vermittelt Eltern Anregungen zum Geschichten vorlesen, Bilder betrachten, Gespräche führen, Reime und Lieder spielen oder kritzeln und malen. Die witzigen Illustrationen von Claudia de Weck schauen auch die Kinder gerne an!

Das Leporello wird vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM in Zürich mit Unterstützung der Paul Schiller Stiftung in gedruckter Form (Bestellung möglich) oder als kostenloser Downlaod angeboten.

Der Elternratgeber ist in 14 verschiedenen Sprachen verfügbar.