Laurent & Max: Da gibt’s was auf die Ohren

Bei mir sind es einige Jahre her, seit Mundart-Kinderlieder durchs Haus schallten, aber ich erinnere mich noch gut daran, dass die Liedli für mich nicht immer ein musikalischer Hochgenuss waren. Es gab zwar Bands wie Schtärneföifi, die auch mich begeisterten, aber das waren eher Ausnahmen – oft war mehr «Ohren zu und durch» angesagt ….

Jetzt habe ich aber die jungen Musiker Laurent & Max (Laurent Aeberli und Max Kämmerling) entdeckt, die wirklich tolle Mundart-Songs für Kinder machen. Ihr Rezept: Sie nehmen beliebte Melodien aus dem Rock/Pop-Bereich und dichten neue, kindertaugliche Mundart-Texte dazu, die auch von der Phonetik her sehr gut passen. Das Spezielle daran: Es gelingt ihnen mühelos, die Covers zu ihren eigenen Songs zu machen.

In ihrem Repertoire sind sowohl Klassiker wie «Satisfaction» von den Rolling Stones als auch neuere Hits. Beispiele gefällig? Aus «Born to be wild» wird «S’ Mami hät gseit», aus «Mamma Mia» der Fussballsong «Lan en ine», aus «We will rock you» wird «Mer wänd Schoggi» und aus «Laura non c’e» wird «Lauwarme Tee», sozusagen der Soundtrack zur Grippesaison. Sehr schön auch «No woman no cry», das bei den beiden jungen Musikern zu «Ich wott noni hei» wird.

Die Texte sind manchmal witzig (aus «Wrecking Ball» von Miley Cyrus wir lustigerweise «S’Miley wott i Badi gah» …) und manchmal nachdenklich, aber immer sehr kindgerecht.

Mein Favorit: der Kult-Hit «079» von Lo & Leduc (im Original ja ebenfalls mundart) wird umgewandelt in «Nur bes am 9i» – ein Lied über das Elend ins Bett zu müssen, obwohl doch noch so viel zu tun wäre und die Lego-Burg auch noch nicht fertig ist.

Die Songs von Laurent & Max sind ein Hörgenuss für die ganze Familie – sie verursachen auch bei Mami und Papi garantiert keine Ohrenschmerzen.

„Der Name der Rose“ im Serien-Zeitalter

Bald sind es unglaubliche 40 Jahre her, seit der Weltbestseller von Umberto Eco auf Deutsch erschienen ist. Ich muss zugeben, ich habe es leider nie geschafft, dieses Mittelalter-Epos zu lesen – vielleicht mit ein Grund, weshalb mir die Verfilmung von Jean-Jacques Annaud aus dem Jahr 1986 so gefiel. Eine unheimliche Benediktiner-Abtei in den italienischen Alpen, Mönche wie aus einem Horrorfilm, ein grausamer Inquisitor – und mittendrin der weise Franziskaner William von Baskerville (gespielt vom unvergessenen Sean Connery), der mit der Hilfe seines Novizen Adson versucht, eine mysteriöse Mordserie aufzuklären. Das war (sprichwörtlich) grosses Kino!

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass auch aus diesem Stoff eine Serie produziert wurde. Aber kann sie neben dem Originalfilm bestehen? In der Serie wird William von Baskerville von John Turturro verkörpert – zweifellos ein grossartiger Schauspieler, aber in dieser Rolle kann er nicht restlos überzeugen. Der feine Humor und die väterliche Warmherzigkeit, mit der Connery die Figur gespielt hat, habe ich schmerzlich vermisst. Ein weiterer Minuspunkt für mich: Im Gegensatz zum Originalfilm, der richtig Mut zu Hässlichkeit hatte, kommt in der Serie alles viel sauberer und adretter daher.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Pluspunkte: die Serie besteht aus 8 Folgen, was für die Spannung (Aufklärung der rätselhaften Morde) vielleicht nicht förderlich ist, aber dafür mehr Einblick gibt in die mittelalterliche Klosterwelt – auch der damals herrschende Kirchenzwist (Franziskaner versus Vatikan) bekommt in der Serie mehr Gewicht.

Ebenso erhält der junge Adson in der Serie mehr Raum, man erfährt seine Vorgeschichte, und seine heimliche Liebesaffäre mit einem Mädchen wird ausgebaut.

Und damit komme ich zu einem weiteren grossen Plus: im Originalfilm war das besagte Mädchen – namenlos und stumm – die einzige weibliche Figur. Einen Namen hat sie zwar auch in der Serie nicht, aber wenigstens darf sie sprechen … wenn auch als Flüchtlingsmädchen in einer fremden Sprache. Zudem sie hat Verstärkung bekommen: mit der Rolle der jungen Anna, die sich am Inquisitor Bernardo Gui für den Mord an ihrer Familie rächen will, kommt eine zweite wichtige Frauenfigur in die Geschichte! Und zwar eine mit Pfeil und Bogen – «Hunger Games» und «Game of Thrones» lassen grüssen …

Mein ganz persönliches Highlight in der Serie ist Rupert Everett – normalerweise auf die Rolle des ewigen Dandy abonniert, spielt er den bitterbösen Inquisitor dermassen überzeugend, dass es eine Freude ist.

Eine Zeitreise in die 80er Jahre oder Back to the Eighties

«In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.» Ist das nicht ein eindrücklicher erster Satz? Auf Seite 285 erfährt man zwar, dass dieser mehr oder weniger geklaut ist, aber an der Stelle hatte mich das Buch «Hard Land» von Benedict Wells längst in seinen Bann gezogen.

Wie die Hauptfigur Sam war ich in den 80er Jahren ein Teenie, auch ich war ein grosser Fan von Huey Lewis, Bruce Springsteen und Billy Idol, die im Buch erwähnten Songs «I’m on fire» von „Boss“ Springsteen und «Don’t stop believin’» von Journey gehören heute noch zu meinen persönlichen Top Ten, und die «Back to the future»-Trilogie (mit dem von Sam verehrten Hauptdarsteller Michael J. Fox) war und ist für mich einfach nur genial. Und was wirklich erstaunlich ist: der Autor hat diese Zeit nicht etwa als Jugendlicher miterlebt wie ich, er wurde erst 1984 geboren!

Aber natürlich geht es in «Hard Land» nicht nur um ein Jahrzehnt und sein Lebensgefühl, sondern vor allem um zeitlose Themen wie Coming of Age (ich fühlte mich manchmal wie damals bei der Lektüre von Salingers «Der Fänger im Roggen»), es geht um Trauer, Verlust, Vergebung und Freundschaft. Der Beweis: „Hard Land“ hat meinen 18jährigen Sohn genauso berührt wie mich…

Die anti-sozialen Medien

Die Influenzerin Emmy ist der absolute Superstar unter den Instamums, jeder Aspekt ihres Familienlebens wird für die sozialen Medien gnadenlos ausgeschlachtet. Die Klicks generieren  der Familie ein gutes Einkommen, und ihre Follower verehren sie wie einen Popstar. Wen interessiert es da, dass ihr Bild auf Social Media nicht der Realität entspricht? Dass Mann und Kinder sich nicht immer wohlfühlen im ewigen Rampenlicht? Dass sie für den ersehnten Fernsehauftritt sogar ihre beste Freundin verrät?

Eine interessiert’s, und die will sich rächen …

«People like her» von Ellery Lloyd ist ein spannender Krimi über die Macht der Influenzer und die Schattenseiten der sozialen Medien.

Aus aktuellem Anlass: Zu Gast bei den Windsors

Seit dem weltweit ausgestrahlten Skandal-Interview der abtrünnigen Royals Harry und Meghan und der medienwirksamen Beerdigung des langjährigen Prinzgemahls Philip ist die britische Königsfamilie einmal mehr in den Schlagzeilen. Wäre es nicht spannend, ein wenig Einblick in das Leben dieser Family zu haben, die zu den bekanntesten und meistfotografierten der Welt gehört? Die Serie «The Crown» bietet die Gelegenheit dazu. Zugegeben: andere Serien mögen spannender sein, schliesslich müssen sich die Macher an historische Fakten halten. Es ist aber sehr interessant mitzuerleben, wie sich Elizabeth II. von der herzigen jungen Ehefrau in eine Queen verwandelt, die manchmal von ihrem Pflichtgefühl fast erdrückt wird. Oder wie Philip als Alphamann Mühe hat, sich in die Rolle eines Prinzgemahls zu fügen, der immer zwei Schritte hinter seiner Frau hergehen und um jede persönliche Freiheit kämpfen muss. Oder wie der sensible junge Thronfolger Charles an seiner kühlen Mutter und den starren Konventionen leidet. Eine normale Familie, aber halt doch ganz anders …

Die Serie ist bis auf die Nebenrollen mit hochkarätigen Schauspielern besetzt, besonders stechen natürlich die Darstellerinnen der Queen hervor, Claire Foy (Staffeln 1 & 2) und die Oskar-Gewinnerin Olivia Coleman (ab Staffel 3). Eine kleine Randnotiz: Die junge Camilla Shand wird von Emerald Fennell gespielt (jawohl, die nette Schwester Patsy aus „Call the midwife“), die gerade eben für ihr Regie-Debüt «Promising Young Woman» für den Oskar nominiert war.

Ich empfehle die Serie allen, die an der Royal Family und an der britischen Nachkriegsgeschichte interessiert sind!