僕 の 愛した Tーシャツ たち – Meine geliebten T-Shirts


Kleider machen Leute diese Botschaft hat uns schon der gute alte Gottfried Keller in seiner berühmten Novelle vermittelt, wo die Hauptfigur Wenzel Strapinski, ein armer Schneiderlehrling, wegen seines kostbaren Mantels für einen reichen Grafen gehalten wird und für einige Verwirrung sorgt.

Auch Elke Heidenreich erzählt in «Männer in Kamelhaarmänteln» von Kleidern und Leuten.
«Was man anzieht, ist sicher die schönste Nebensache der Welt, aber oft verrät es auch die Wahrheit über Mann und Frau».

Oder wer kennt nicht das klassische Märchen «Des Kaisers neue Kleider» von Hans Christian Andersen. Ein Kaiser, der völlig nackt vor sein Volk tritt und aus Eitelkeit nicht zugibt, dass er sein neu geschneidertes Gewand nicht sehen kann. Alle applaudieren nur ein Kind wagt zu sagen, dass er gar kein Kleid am Leib trägt.

Und nun der japanische Kultautor Haruki Murakami, der in seinem neuesten Buch «Murakami T – gesammelte T-Shirts» seine unzählige T-Shirt-Sammlung einseitig vorstellt und passend zum Aufdruck die dazugehörige Story liefert, die wiederum etwas über ihn als Menschen aussagt. Na ja, die Kritiken von Leser*innen zum neusten Streich des Autors sind zwiespältig. Von nichtssagend, das kann sich nur ein Haruki Murakami erlauben bis hin zu toll und humorvoll oder dieses Buch sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Lesen Sie es und urteilen Sie selbst! Ich jedenfalls, Bibliothekarin mit Liebe zu Büchern, fand seine Beiträge zu Buchhandlungen, Bibliotheken und Büchern etwas «platt» und PR verdächtig.

T-Shirt GOT BOOKS?
«… ich weiss, Sie haben alle viel zu tun, aber nehmen Sie sich bitte auch mal Zeit zum Lesen. Denn wenn keiner meine Bücher kauft, verdiene ich nicht genug zum Leben». (S. 97)

T-Shirt POWELL´S BOOKS (Buchhandlung in Portland, Oregon)
«Ich war im Begriff zu zahlen, als die Kassiererin mich fragte, ob ich zufällig Autor Murakami sei… worauf sie mich auf der Stelle Dutzende von Büchern signieren liess. Diese Autogrammstunde war nicht gerade angenehm. Das T-Shirt bekam ich als Dankeschön. Nun ja, zumindest konnte ich der Buchhandlung einen Dienst erweisen». (S. 93)

Übrigens: wussten Sie, dass auch wir Mitarbeiter*innen der Stadtbibliothek ein besonderes T-Shirt besitzen? Ein T-Shirt, das wir am Luzerner Stadtlauf 2018 trugen – mit dem bekennenden Aufdruck auf unseren schweissnassen Rücken:

READING IS MY FAVORITE SPORT

Zum Schluss noch eine kleine Auswahl von Büchern, die sich um Kleider drehen:
Das Kleid meiner Mutter von Anna Katharina Hahn
Die geheimen Leben der Schneiderin von Angelika Waldis
Das rote Kleid von Guido Maria Kretschmer
Ein Kleid von Bloomingdale´s von Jane L. Rosen
Die Nähmaschine von Natalie Fergie
Ein Kleid aus Tinte und Papier von Claire Gondor
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin von Dai Sijie (mein absoluter Favorit, leider in der Bibliothek nciht mehr vorhanden, aber im Onlinehandel immer noch erhältlich)

In der Kürze liegt die Würze – Kurzgeschichten

Ja, kurz sind sie! Und sehr gut gewürzt! Manchmal etwas scharf und pikant aber auf jeden Fall immer aromatisch – die Rede ist von Kurzgeschichten – auch unter dem englischen Begriff Short Stories bekannt.

Der weltberühmte Autor Edgar Allan Poe (1809-1849) gilt als Mitbegründer dieser literarischen Form und die kanadische Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro wird zu Recht als zeitgenössische Meisterin der Kurzgeschichte gefeiert. Mehr als 150 Short Stories hat sie geschrieben.

Zum ersten Mal richtig zum Kurzgeschichten-Fan wurde ich durch Patricia Highsmiths Stories als junge Erwachsene. Ach, wie liebte ich diese Mischung aus Krimi, Psychografie und schwarzem Humor, der den Briten so eigen ist.

Dann wurde es «kurzgeschichtig» still und es zog mich mehr zu den Romanen hin. Die sind halt einfach so vorhersehbar, entspannend trotz des Umfangs und garantiert mit (Happy-)End. Also so gar nicht verdichtet, beschleunigt, überraschend und mit offenem Ausgang, wie das Kurzgeschichten so an sich haben.

Aber jetzt hat es mich wieder gepackt! Nicht zuletzt dank der Veranstaltungsreihe «Shared Reading – Miteinander lesen». Als ausgebildeter Facilitator darf ich zusammen mit meiner Kollegin zweiwöchentlich dieses wunderbare Format moderieren, wo Kurzgeschichten im Zentrum stehen, die laut gelesen, besprochen, interpretiert und gewürdigt werden wollen – und das auf einer ganz persönlichen Ebene, ohne Literaturkritik zu betreiben.

Wussten Sie, dass die Stadtbibliothek Luzern einen Fundus an Kurzgeschichten, Short Stories, Erzählungen besitzt?  Ein paar Schweizer Autor*innen seien an dieser Stelle genannt: Peter Stamm, Benedict Wells, Alex Capus, Anna Ruchat, Peter Bichsel, Pedro Lenz und jetzt aktuell

die neusten Geschichten von Franz Hohler mit dem Titel «Der Enkeltrick».

«Es sind die unscheinbaren Risse im alltäglichen Gefüge, von denen Franz Hohler so meisterhaft erzählt – jede seiner Geschichten ein kleines Wunder, das den Blick auf das Leben reicher macht»!

Queer durch unsere Literatur

Es gibt sie! Und zum Glück gibt es sie immer mehr:

Queere Romane, die von frei gewählten Identitäten und Liebesbeziehungen handeln und deren Protagonist*innen, mit ihren unterschiedlichsten Lebensweisen und Kulturen, abseits von traditionellen Rollen und konventionellen Vorstellungen, auf wunderbare Weise die Diversität der Menschen abbilden.

Vielfach handeln die Geschichten von Vorurteilen, schmerzlichen Erlebnissen, Ausgrenzung und eigener Zerrissenheit und machen so auch auf gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Konflikte aufmerksam.

Eindrücklich illustriert dies der Debütroman «Die jüngste Tochter» von Fatima Daas, ausgezeichnet mit dem Internationalen Literaturpreis 2021.

Die Autorin beschreibt in ihrem autofiktionalen Roman den Konflikt einer jungen Frau namens Fatima, die einerseits als gläubige und praktizierende Muslimin in einem Vorort von Paris mit ihrer algerischen Familie lebt und andererseits als unabhängige, rebellische und unverheiratete Französin eine Frau liebt. Der Zwiespalt zwischen Glauben und sexuellen Präferenzen, Familie und eigener Identität wird von Fatima Daas in markanter, eindringlicher Sprache beschrieben. Ein beeindruckendes Debüt, das gehört und gelesen werden will. Passend dazu der in Grün gehaltene Einband des Claassen Verlags: Grün – die Farbe der Hoffnung und des Islam!

Es gibt aber immer mehr auch «entdramatisierte» Romane, die lustvoll, witzig und einfach «stinknormal» queere Themen angehen.

Jüngstes Beispiel ist der Debüt-Roman von Bernardine Evaristo «Mädchen, Frau etc.», ausgezeichnet mit dem Booker Prize 2019.

Anhand von zwölf Women of Color-Geschichten im multikulturellen London, jenseits von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, gelingt es der Autorin, mit Witz, swingendem Stil, wertfrei und „entmoralisierend“ das grosse Thema des Zusammenlebens, gegenseitigen Respektierens in der heutigen Zeit zu skizzieren. Ihr ungewöhnlicher Schreibstil ohne Punkt am Satzende ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, begeistert das Buch und bringt die verschiedenen Geschichten wunderbar auf den Punkt.

Und last but not least:

Queere Geschichten sind immer mehr auch in den Regalen des Kinder- und Jugendbereiches anzutreffen und leisten einen wichtigen Beitrag, gerade Kinder und Jugendliche darin zu bestärken, sich so anzunehmen und zu lieben, wie sie wirklich sind! Zwei wunderbare Bilderbücher hier zur Empfehlung:

«Mein Schatten ist Pink» von Scott Stuart und «Wau Wau Miau!» von Blanca Lacasa.

Auf eine bunte Welt ohne Vorurteile!!!

Happy Birthday, sehr geehrter Max Frisch!

Heute, am 15. Mai 2021 wären Sie 110 Jahre alt geworden. Sie gelten als einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und wir sind mächtig stolz, dass ein so berühmter Vertreter der modernen Literatur wie Sie aus der Schweiz stammt.

Viele von uns kennen Sie – exgüsi – Ihre Werke als Pflichtlektüre aus dem Deutschunterricht, wo wir «Homo Faber», «Stiller» oder «Sein Name ist Gantenbein» mit Hilfe von Königserläuterungen zu interpretieren versuchten. Ihren Hauptfiguren ging es hauptsächlich um Identitätssuche, d.h. um die Suche nach dem wirklichen Leben, nach dem eigentlichen ICH – so viel haben wir verstanden.

Geboren sind Sie als Max Rudolf Frisch am 15. Mai 1911 in Zürich und gestorben am 4. April 1991 ebenfalls in Zürich. Sie haben als Schweizer Schriftsteller zahlreiche Theaterstücke wie beispielsweise «Andorra» und «Biedermann und die Brandstifter» und eben die drei obengenannten grossen Romane geschrieben – Homo Faber wurde 1991 sogar verfilmt.

Sie sind viel gereist, haben in verschiedensten Ländern gelebt und erhielten zahlreiche Preise, Auszeichnungen und die Ehrendoktorwürde in New York. Sogar eine Max-Frisch-Stiftung wurde 1980 ins Leben gerufen.

Gegen Ende Ihres Lebens haben Sie sich kritisch mit Ihrem Heimatland Schweiz auseinandergesetzt und den Prosatext «Schweiz ohne Armee? Ein Palaver» verfasst. Auch wenn Ihnen das Spätwerk mehrheitlich Kritik einbrachte, so haben Sie es geschafft, dass darüber öffentlich aufs heftigste debattiert wurde und Sie in aller Munde waren.

Aber auch ohne diesen politischen Exkurs sind Sie, Herr Frisch – exgüsi – Ihre Werke so «frisch» wie eh und je. Sie werden in Schulen gelesen, stehen in (fast) jedem Bücherregal und wenn nicht, dürfen sie in der Stadtbibliothek Luzern ausgeliehen werden!

Willkemmon in Spracheland!

Im Bann des Eichelhechts und andere Geschichten aus dem Sprachenland / Axel Hacke – München : Antje Kunstmann, 2021

«Wortspiele, Scherzgedichte und Sprachspiele sind die poetische Form von literarischem Unsinn» (Quelle)

So steht es unter anderem im Internet, wenn nach Sprachwitz gegoogelt wird. Doch welcher Autor kann dem Unsinn mehr Sinn verleihen als Axel Hacke.

In seinem neuesten Werk «Im Bann des Eichelhechts» nimmt Sie Axel Hacke mit ins «Sprachland, das einzige Land, das ausschliesslich aus Sprache besteht, in dem die Zeit in Verwöhnminuten gemessen wird, die Menschen in Schlafanfallbüros arbeiten und sich Eichelhechts und Aschenpudel Gute Nacht sagen».

Oder hätten Sie etwa gedacht, dass es Länder gibt, die auch Sprachen für ausländische Touristen halten? In Rom, am Eingang zu den Katakomben, stand folgendes auf einem Schild:

Pelase wait until you are called by loudspeaker

Bitte warten, die deutsche Sprache wird aufgerufen

Axel Hacke versteht es vortrefflich, Wortverdrehungen, Missverständnisse oder eben Übersetzungsfehler auf Menükarten, Infoschildern, Gebrauchsanleitungen und Inseraten aufzuspüren und ihnen seine ganz eigene Poesie einzuhauchen.

Deshalb der nächste Reisetipp für Sie: Packen Sie dieses Buch und reisen Sie ins Sprachland – ganz ohne Impfpass, PCR-Test oder Quarantäne. Aber Vorsicht! Sie riskieren, sich einen Lach- oder Schmunzelvirus einzufangen.