Der Zauber des Waldes

Das Schönste

Ich flüchte

in dein Zauberzelt

Liebe

im atmenden Wald

wo Grasspitzen

sich verneigen

weil

es nichts Schöneres gibt.

Immer wieder zieht es uns in den Wald – wunderbar beschrieben in diesem Gedicht von Rose Ausländer, welches die Liebe zu einem anderen Menschen, aber auch die Verbundenheit zum Wald beschreiben kann. Ganz besonders im Herbst, wenn die Bäume zu leuchten beginnen, weil sich die Blätter verfärben, bis sie schlussendlich fortwährend zu Boden fallen, nehmen wir den Wald intensiv wahr. Dann werden bunte Schätze gesammelt und raschelnde Blättermeere durchquert. Aber auch die restlichen Jahreszeiten spiegeln sich – zumindest in unseren Breitengraden – deutlich in den Wäldern. Sie sind für uns von zentraler Bedeutung, sei es als Lebensraum, Erholungsgebiet, ökologisch, ökonomisch, kulturell… die Liste ist lang.

Dass der Wald so vielseitig ist, zeigt Linda Wolfsgruber in „Die kleine Waldfibel“, einem wunderschön gestalteten kleinen Handbuch (2020 im Kunstanstifter Verlag erschienen), in dem auch das obenstehende Gedicht zu finden ist.

Tatsächlich ist es eines der schönsten Bücher, das ich seit langem in den Händen gehalten habe und deshalb eine absolute Empfehlung! Bereits in der Umschlaggestaltung wird der Wald haptisch erfahrbar, denn dieser fühlt sich an, als wäre er aus Holz gefertigt. Ohne Inhaltsverzeichnis navigiert das Buch dann durch die vier Jahreszeiten, wobei der Wald in all seinen Facetten präsentiert wird: Wir erfahren botanische Details wie z.B. die Verschiedenheit der Baumwurzeln, lesen Wald-Gedichte, lassen uns von Rezepten für Waldfrüchtetee, Brennnesselaufstrich oder der Anleitung für ein Insektenhotel inspirieren und schwelgen in den hinreissenden Illustrationen. Mein persönliches Highlight sind die Zeichnungen der Bäume wie Linde oder Rotbuche, welche sich durch das Wenden einer Seite aus milchweissem Transparentpapier von blätterreichen in blätterlose Darstellungen verwandeln.

Bei uns steht das Buch zwar bei den Sachbüchern für Kinder, aber es ist definitiv eines, welches Klein und Gross faszinieren kann.

In Österreich gewann es den „Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2021“ und es ist ausserdem nominiert für das „Beste Wissenschaftsbuch des Jahres 2021“.

In der Kürze liegt die Würze – Kurzgeschichten

Ja, kurz sind sie! Und sehr gut gewürzt! Manchmal etwas scharf und pikant aber auf jeden Fall immer aromatisch – die Rede ist von Kurzgeschichten – auch unter dem englischen Begriff Short Stories bekannt.

Der weltberühmte Autor Edgar Allan Poe (1809-1849) gilt als Mitbegründer dieser literarischen Form und die kanadische Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro wird zu Recht als zeitgenössische Meisterin der Kurzgeschichte gefeiert. Mehr als 150 Short Stories hat sie geschrieben.

Zum ersten Mal richtig zum Kurzgeschichten-Fan wurde ich durch Patricia Highsmiths Stories als junge Erwachsene. Ach, wie liebte ich diese Mischung aus Krimi, Psychografie und schwarzem Humor, der den Briten so eigen ist.

Dann wurde es «kurzgeschichtig» still und es zog mich mehr zu den Romanen hin. Die sind halt einfach so vorhersehbar, entspannend trotz des Umfangs und garantiert mit (Happy-)End. Also so gar nicht verdichtet, beschleunigt, überraschend und mit offenem Ausgang, wie das Kurzgeschichten so an sich haben.

Aber jetzt hat es mich wieder gepackt! Nicht zuletzt dank der Veranstaltungsreihe «Shared Reading – Miteinander lesen». Als ausgebildeter Facilitator darf ich zusammen mit meiner Kollegin zweiwöchentlich dieses wunderbare Format moderieren, wo Kurzgeschichten im Zentrum stehen, die laut gelesen, besprochen, interpretiert und gewürdigt werden wollen – und das auf einer ganz persönlichen Ebene, ohne Literaturkritik zu betreiben.

Wussten Sie, dass die Stadtbibliothek Luzern einen Fundus an Kurzgeschichten, Short Stories, Erzählungen besitzt?  Ein paar Schweizer Autor*innen seien an dieser Stelle genannt: Peter Stamm, Benedict Wells, Alex Capus, Anna Ruchat, Peter Bichsel, Pedro Lenz und jetzt aktuell

die neusten Geschichten von Franz Hohler mit dem Titel «Der Enkeltrick».

«Es sind die unscheinbaren Risse im alltäglichen Gefüge, von denen Franz Hohler so meisterhaft erzählt – jede seiner Geschichten ein kleines Wunder, das den Blick auf das Leben reicher macht»!

Laurent & Max: Da gibt’s was auf die Ohren

Bei mir sind es einige Jahre her, seit Mundart-Kinderlieder durchs Haus schallten, aber ich erinnere mich noch gut daran, dass die Liedli für mich nicht immer ein musikalischer Hochgenuss waren. Es gab zwar Bands wie Schtärneföifi, die auch mich begeisterten, aber das waren eher Ausnahmen – oft war mehr «Ohren zu und durch» angesagt ….

Jetzt habe ich aber die jungen Musiker Laurent & Max (Laurent Aeberli und Max Kämmerling) entdeckt, die wirklich tolle Mundart-Songs für Kinder machen. Ihr Rezept: Sie nehmen beliebte Melodien aus dem Rock/Pop-Bereich und dichten neue, kindertaugliche Mundart-Texte dazu, die auch von der Phonetik her sehr gut passen. Das Spezielle daran: Es gelingt ihnen mühelos, die Covers zu ihren eigenen Songs zu machen.

In ihrem Repertoire sind sowohl Klassiker wie «Satisfaction» von den Rolling Stones als auch neuere Hits. Beispiele gefällig? Aus «Born to be wild» wird «S’ Mami hät gseit», aus «Mamma Mia» der Fussballsong «Lan en ine», aus «We will rock you» wird «Mer wänd Schoggi» und aus «Laura non c’e» wird «Lauwarme Tee», sozusagen der Soundtrack zur Grippesaison. Sehr schön auch «No woman no cry», das bei den beiden jungen Musikern zu «Ich wott noni hei» wird.

Die Texte sind manchmal witzig (aus «Wrecking Ball» von Miley Cyrus wir lustigerweise «S’Miley wott i Badi gah» …) und manchmal nachdenklich, aber immer sehr kindgerecht.

Mein Favorit: der Kult-Hit «079» von Lo & Leduc (im Original ja ebenfalls mundart) wird umgewandelt in «Nur bes am 9i» – ein Lied über das Elend ins Bett zu müssen, obwohl doch noch so viel zu tun wäre und die Lego-Burg auch noch nicht fertig ist.

Die Songs von Laurent & Max sind ein Hörgenuss für die ganze Familie – sie verursachen auch bei Mami und Papi garantiert keine Ohrenschmerzen.